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Borussia VfL 1900 e.V. Mönchengladbach – Tradition verpflichtet

"Ja, wir schwören Stein und Bein auf die Elf vom Niederrhein/Borussia, unser Dreamteam, denn du bist unser Verein!" Die Hymne der Fohlen ist bereits seit Jahren ein Dauerbrenner, der aus den Kehlen der treuen Anhänger schallt. Aber nicht nur das Liedgut ist ein echter Hit, auch der besungene Klub ist historisch betrachtet ein Dauerbrenner in der höchsten deutschen Spielklasse.

Inklusive der abgelaufenen Spielzeit (2006/07) hat die Elf vom Niederrhein insgesamt 40 Saisons in der Ersten Bundesliga bestritten. Gerade deswegen wird es die treuesten Fans der Fohlen besonders getroffen haben, nach der 40. Saison zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte den Gang in die Zweite Liga antreten zu müssen.

Doch wenn die Borussia etwas auszeichnet, dann ihr Kampfgeist, ihre Ausdauer und ihre beeindruckende Historie: Seit dem Gründungsjahr 1900 wurden fünf Meistertitel, drei DFB-Pokalsiege und zwei UEFA-Pokalsiege gefeiert. Als 1965 der Aufstieg in die Erste Bundesliga geschafft wurde, war die erste nationale Trophäe bereits gewonnen, denn 1960 hatten die Niederrheiner im Pokal-Endspiel den Karlsruher SC mit 3:2 besiegt. Zehn Jahre später, also 1970, folgte der nächste große Titel – die Deutsche Meisterschaft.

Stolz auf die Vergangenheit zu sein und gleichzeitig mit beiden Beinen in der Gegenwart zu stehen, das ist der Spagat, den auch andere Vereine mit ähnlich großer Tradition bewerkstelligen müssen: Zu groß ist die Gefahr, an übersteigerten Erwartungen und übermäßigem Druck zu scheitern. Und genau dieser Herausforderung stellt sich Borussia Mönchengladbach. Man wechselte beispielsweise aus dem traditionsreichen, aber altmodischen Stadion am Bökelberg in den nagelneuen Borussia-Park, in ein Stadion, das höchsten Ansprüchen genügt und 54.067 Besucher fasst. Diese hochmoderne Arena ist eine angemessene Heimat für einen Verein, der mit über 35.000 Mitgliedern zu den größten Vereinen in Deutschland gehört.

Bilder der alten Erfolge zieren die Räumlichkeiten im Inneren des Stadion, wie zum Beispiel die Sportsbar "gladbach**", wo die Spieler von heute gerne ihre Pressetermine wahrnehmen oder zwischen den Trainingseinheiten zu Mittag essen. Bei Stadionführungen werden die Besucher an den großformatigen Fotos der Erfolgsmannschaften von früher vorbeigeleitet, die vor allem an die siebziger Jahre erinnern - eine Ära, die als die "goldene Zeit" der Borussia bezeichnet wird. Kein Wunder, denn schließlich wurden in diesem Jahrzehnt sämtliche Deutschen Meisterschaften errungen (1970, 1971, 1975, 1976 und 1977). Zusammen mit dem FC Bayern München dominierte Gladbach in dieser Phase die Bundesliga - und gewann sie sogar öfter als der Klub von der Isar, der erst im folgenden Jahrzehnt zum Rekordmeister werden sollte. Mit jungen, frechen Spielern und tollem Konterfußball brillierte der VfL. Unter Trainer Hennes Weisweiler (1964–1975) wurde so der Begriff der "Fohlenelf" geprägt. Aber nicht nur auf nationaler Ebene waren die Borussen federführend, auch auf der internationalen Bühne gehörten sie zur Spitze.

1975 feierte Borussia folgerichtig den ersten internationalen Triumph: In den Endspielen um den UEFA-Cup (damals gab es noch ein Hin- und ein Rückspiel) wurde Twente Enschede deklassiert (0:0 und 5:1). Vier Jahre später konnte der Cup erneut gewonnen werden, diesmal hatte Roter Stern Belgrad das Nachsehen (1:1 und 1:0). Im selben Jahr wurde ein Spieler der Borussia "Fußballer des Jahres", der damals als "der Terrier" bekannt war – Berti Vogts.

Legendär ist auch das Pokalendspiel 1973 gegen den Erzrivalen 1.FC Köln. Nachdem es nach der regulären Spielzeit 1:1 stand, wechselte sich der auf die Ersatzbank verbannte Starspieler Günter Netzer zur Verlängerung selbst ein. In der 93. Minute spielte Netzer einen schönen Doppelpass mit Rainer Bonhof. Mit seinem zweiten Ballkontakt drosch Netzer den Ball mit links in den Winkel – der Pokal-Triumph war perfekt.

Aber auch in der jüngeren Vereinsgeschichte konnten Erfolge gefeiert werden. 1995 erreichte Mönchengladbach abermals das Pokalendspiel und schlug Gegner VfL Wolfsburg in Berlin mit 3:0. Der Kopf der Mannschaft und Torschütze des 2:0, Stefan "Tiger" Effenberg, reckte anschließend die Trophäe in den Berliner Himmel. Da hätte wohl niemand gedacht, dass die Niederrheiner nur wenig später, ein Jahr vor der Jahrtausendwende, den bitteren Gang in die Zweite Bundesliga würden antreten müssen.

Kurz nach den Feierlichkeiten zum hundertjährigen Bestehen des Vereins (am 01. August 2000) stand am Ende der Zweitliga-Saison 2000/01 der Wiederaufstieg. 2004 wurde ein neuer Fußballtempel eingeweiht, der für die positive Zukunft der Fohlen steht – das Stadion im Borussia-Park.

2007/2008 stand die Borussia zum zweiten Mal vor der Aufgabe, aus dem Unterhaus zurück in die Erste Liga zu marschieren. Dass sie die Herausforderung  angenommen und im direkten Anlauf bewältigt hat, passt zu dem Verein, der sich seiner Tradition bewusst ist, ohne dabei in übertriebene Nostalgie oder übersteigerte Erwartungshaltungen zu verfallen. Auch in der Folgesaison bewies die Elf vom Niederrhein, dass sie ins Oberhaus der Liga gehört. Nach der Hinrunde wurde die Borussia als Tabellenletzter bereits als potenzieller Absteiger gehandelt. Trotzdem sicherte sie sich am letzten Spieltag mit einem Punktgewinn gegen den Namensvetter aus Dortmund den Klassenverbleib. Nun gilt es für Borussia Mönchengladbach, den Platz unter den ersten 18 Vereinen im Land weiterhin zu festigen.
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